Run, forest, run! – cardioscan
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Okay, zugegeben: Diese Überschrift ist eine etwas alberne und dann auch noch falsch geschriebene Filmreferenz, schöne Grüße an Tom Hanks. Was wir damit sagen wollen, ist aber unser voller Ernst: Geh im Wald laufen. Dein Körper wird es Dir danken

1984 erschien im US-Wissenschaftsmagazin „Science“ eine Studie des amerikanischen Architekturprofessors Roger Ulrich. Der hatte sich mit der Frage beschäftigt, wie die Umgebung, in der Patienten sich in Krankenhäusern von ihren identischen Operationen erholten, sich auf den Genesungsprozess auswirkte. Eine der Gruppen konnte von den Klinikbetten auf eine gegenüberliegende Häuserwand schauen, die andere hatte durch das Fenster freie Sicht in den angrenzenden Park. Ulrich stellte fest: Die mit dem Grün vor den Augen benötigten deutlich weniger Schmerzmittel als die unfreiwilligen Betonköpfe von nebenan, sie litten weit seltener unter postoperativen Depressionen und wurden im Schnitt einen Tag früher nach Hause entlassen. „Science“ ist seit 1880 so etwas wie die inoffizielle Naturwissenschafts-Bibel, und deshalb wissen nicht wenige Experten seit mehr als 35 Jahren: Wald macht schon dann gesund, wenn man ihn nur anguckt – man muss dafür noch nicht mal Bäume umarmen. (Spricht aber nix gegen. Dazu später mehr.)

So ganz unwissenschaftlich ist das auch gar keine Überraschung. Dass man sich irgendwie besser fühlt, wenn man mal ein Stündchen durch den Wald gejoggt oder spaziert ist, hat eigentlich jeder im Gedächtnis. Die Forschung allerdings weiß inzwischen nämlich, warum, und wir zitieren hier mal eben den österreichischen Biologen und erklärten Waldfex Clemens Arvay, „Waldluft wie Medizin zum Einatmen“ ist: Es liegt an den Terpenen.

Über 8.000 verschiedene gibt es von diesen chemischen Verbindungen, von denen die allermeisten von Pflanzen ausgedünstet werden. Die Analytik und Biosynthese der Dinger schenken wir uns jetzt mal – ist ja auch viel interessanter, wie sie wirken. Die Terpene, die von den Blättern der Bäumen und den Pflanzen am Waldboden abgegeben werden, verstärken nämlich all das, was wir Gutes und Gesundes in uns haben. „Natürliche Killerzellen“, sagt der eben erwähnte Clemens Arvay, „werden vermehrt und bestehende gestärkt, wenn man sich nur für eine Stunde im Wald aufhält.“ Und das wiederum bewirkt, dass Viren, die unser Immunsystem unter Stress setzen,  ebenso eingedämmt werden können wie, Achtung: Tumorzellen. Tatsächlich bietet ein langer Lauf durch den Wald einen gewissen Schutz vor Krebs – das behauptet nicht nur Arvay. Die Sache ist auch wissenschaftlich belegt, durch einen großangelegten Blutprobenvergleich an der Nippon Medical School in Tokio. Und die Japaner müssen es wissen. Die haben schließlich das Waldbaden erfunden.

Okay, wir fassen zusammen: Wer durch den Wald joggt, wird mindestens so fit wie jemand, der durch Straßenschluchten läuft. Aber er stärkt sein Immunsystem deutlich besser. Erst recht dann, wenn er am Ende doch noch einen Baum umarmt. Unter der Borke – vor allem der von Nadelbäumen – ist die Konzentration von Terpenen nämlich besonders groß.