Die Vermessung der Jasmin K. – cardioscan
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Wir erzählen hier viel über den mescan. Aber wie fühlt es sich eigentlich an, ihn zu benutzen? Wir haben eine, sagen wir mal: neugierige Skeptikerin hineingestellt

Das war eine echt gute Party letztes Jahr im September. 40 ist Jasmin damals geworden, es wurde getanzt auf St. Pauli, getrunken, na ja, was man eben so macht auf guten Partys. Sie fühlte sich richtig gut an diesem Abend, und vor allem: auch nicht anders als mit 20, 25 oder 30. Irgendwie konnte sie es selber kaum glauben, die Sache mit der 40. Aber die Faktenlage war eindeutig. Im Pass stand 1979 als Geburtsjahr. Und irgendwie hat sie sich seitdem oft gefragt: Was bedeutet das eigentlich für mich?

Jasmin ist selbstständige Friseurmeisterin. Das heißt: Sie arbeitet viel, und das meist im Stehen. Ihr Stuhl steht ziemlich genau zehn Kilometer von ihrem Wohnort entfernt, manchmal fährt sie die Strecke mit ihrem rostigen Fahrrad, oft aber auch nicht. Letztes Jahr war sie noch öfter mal joggen, eine Stunde hat sie geschafft und irgendwas zwischen neun und zehn Kilometern, aber… „Da ist wieder etwas eingerissen“, sagt sie und schaut einigermaßen skeptisch auf das schwarze Gerät vor ihr, das aussieht wie ein futuristisches Portal, wie eine Science-Fiction-Tür ohne Wand drumherum. „Oder wie ein Flughafenscanner“, sagt Jasmin. Und so ganz falsch liegt sie damit ja auch nicht. Tatsächlich ist das Ding ein Scanner. Genauer: der mescan.
Es war ein Kunde, der Jasmin von dem Ding erzählt hat, gerade als sie seinen Nackenbereich stutzte. Sie hielt kurz inne, erinnerte sich an ihr Vierzig sein und war sofort interessiert. Einen detaillierten Einblick bekommen in ihren Zustand? Ihren Stresslevel, das, was ihre Ernährung mit ihrem Körper macht, wie ausgeruht sie ist? Das fand sie spannend. Einerseits. Andererseits begegnet Jasmin der modernen Welt der Datenerhebung mit einer gewissen Skepsis. Soll nicht jeder alles über sie wissen.

Und deshalb ist da bei aller Neugier auf ihre inneren Werte auch ein komisches Gefühl, als sie vor dem mescan steht. Aber die Neugier siegt. Sie zieht ihre Schuhe aus, tritt auf die beiden metallenen Elektroden am Boden, greift links und rechts in die Bügel für die Hände. Und schaut für 45 Sekunden gebannt auf die blauen Fortschrittsbalken auf dem Display rechts am Gerät. „Ach, schon vorbei?“, fragt sie dann? Ja. Schon vorbei.

Den Bericht zur Lage der Jasmin bekommt sie dann auf der vicoach-App auf dem Smartphone. Zuallererst die Zusammenfassung, den Health Index – der liegt im oberen Mittelfeld, nicht schlecht, aber Luft nach oben. In Sachen Fitness liegt sie bei 7 von 10, ganz gut, der Recovery Index wirft eine 6 von 10 aus, okay, das mit der Erholung ist also eher mittel. Aber ey: Das mit der Ernährung ist schon nahe an perfekt, 9 von 10. Und apropos perfekt: So geht es weiter, als Jasmin durch die Details swiped. Zellfitnesswert, Muskelmasse, Muskelverteilung, Herzfrequenz: bei all dem blinkt der grüne Balken ganz rechts auf, besser geht nicht. Sogar ihr Wasserhaushalt, bei den meisten Trainierenden eine dauerhafte Achillesferse, ist richtig gut. 32 ihrer 59 Kilo gehen auf das Wasserkonto, stark. Überhaupt: Alles ist da, wo es hin soll. „Alle Körperteile sind ausgeglichen trainiert“, steht am Ende bei den Empfehlungen. Die an Jasmin heißt schlicht: weiter so.

Wie sie dieses „weiter so“ ausgestaltet, ist ihre Sache. Sie blättert weiter durch die Seiten auf dem Handy, der vicoach hat aufgrund der eben erhobenen Daten eine ganze Palette an Vorschlägen für Jasmin: zweimal pro Woche eine Stunde in wechselnder Intensität laufen. Ein paar Ausdauer- und Muskelübungen. Rezepte für die optimale Ernährung. „9 von 10 ist optimal genug“, sagt sie, und was die Übungen angeht: sie denkt drüber nach. Ihre Neugierde ist befriedigt, und dass jetzt auch datentechnisch bewiesen ist, dass sie so fit ist, wie sie sich fühlt, macht ihr dieses seltsame Ding fast sympathisch.

Aber da ist immer noch diese Skepsis. Es ist ihr Körper, ihre Daten, beides gehört ihr, und sie will, dass das auch so bleibt. Dass der vicoach so schnell Empfehlungen geben kann, die in ihr Leben eingreifen, findet sie… schwierig. Aber auf den mescan würde sie trotzdem wieder steigen. „Kann man ja heimlich machen“, sagt sie. Stimmt.