Hier kommt das Training für eure Ohren

Für eure Muskeln sind wir an anderer Stelle aktiv. Hier kümmern wir uns um eure Seele – mit dem, was sich beim Sport zu hören lohnt.

Musik

*Liebe in der Luft

Kaiser Augustus, qua seines Amtes mit großer Macht und qua seiner Persönlichkeit mit ziemlich perfidem Gedankengut ausgestattet, hat vor gut zwei Jahrtausenden in Rom folgende Überlegung angestellt: Wenn auf Soldaten zu Hause Familien warten, eine geliebte Frau, ein paar schnuckelige Kinder – haben die dann nicht etwas, für das es sich zu leben lohnt? Was sie ergo davon abhält, sich begeistert in die Schlacht zu stürzen und für das ruhmreiche Römische Reich den Heldentod zu sterben? Also verhängte er ein Heiratsverbot für sein Heer, und das hatte über Jahrhunderte bestand. Hielt sich nur nicht jeder dran: Ein Priester in der damals mächtigsten Stadt des Planeten verehelichte trotzdem Kämpfer, sofern sie dem damals noch frischen christlichen Glauben angehörten. Im Jahr 269 wurde der renitente Gottesmann hingerichtet. Das geschah am 14. Februar jenes Jahres, der Name des zukünftigen Heiligen und Märtyrers der Liebe: Valentin von Rom. Sein Tag wurde im Laufe der Zeit zu dem der verknallten Pärchen und der Floristeninnung, und hey: Auch die Popmusik ist verdammich froh darüber, dass es den Valentinstag gibt. Denn an jedem 14. Februar liegt Liebe in der Luft, und so heißt auch unsere Playlist des Monats. Und die überlassen wir diesmal fast ausschließlich den ganz großen der Liebesliedindustrie. Geht los mit Ed Sheeran, geht weiter mit Alicia Keys, Maroon 5, Bruno Mars, Michael Bublé… Auch Richard Marx ist dabei mit der Megapowerschnulze „Right Here Waiting“. Das Ding schrieb er 1989, als er gerade drei Monate von seiner Frau Cynthia Rhodes getrennt war – die war als Schauspielerin zu jener Zeit am anderen Ende der Welt beschäftigt. Die Ehe zerbrach nach 25 Jahren. Das Lied bleibt bis ans Ende aller Tage. Was nicht heißen soll, dass das Singen über die Liebe besser ist als die Liebe selbst.

Podcasts

*Sexy & bodenständig

 Till Raether schreibt Bücher, eine erfolgreiche Krimireihe ist dabei, ein paar andere super Romane. Alena Schröder hat einige sehr erfolgreiche Sachbücher geschrieben und ist gerade mit ihrem ersten Roman – siehe Hörbuchtipp – in die SPIEGEL-Bestsellerliste eingestiegen. Worüber diese beiden Koryphäen in ihrem Podcast sprechen? Klar: übers Schreiben. Ein „Entlastungspodcast für Autor*Innen“ sei das Ding, sagen die beiden. Aber nicht nur für die sind die Dialoge der beiden seit beinahe 40 Folgen ein irrsinnig unterhaltsamer Ritt durch die Welt des literarischen Arbeitens. Dieser Podcast macht auch dann richtig Spaß, wenn man bloß gern liest und schon immer mal wissen wollte: Wie machen diese Schriftsteller das bloß? (Spoiler Alert: sehr oft gar nicht.)

Hörbücher

*„Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ von Alena Schröder

Kryptischer Titel für ein Buch, oder? Aber auch toll. Und so nach ungefähr einem Drittel dieses fabelhaften Romandebüts von Alena Schröder ergibt er auch Sinn. Ihre Geschichte ist zum Teil die ihrer eigenen Familie, und sie beginnt damit, dass die durchs Leben schlingernde Studentin Hannah bei ihrer 94-jährigen Großmutter einen Brief findet. Absender: eine israelische Anwaltskanzlei, die auf die Rückübertragung von Nazis gestohlener Kunstwerke an Juden spezialisiert ist. Juden? In ihrer Familiengeschichte? Davon wusste Hannah nichts. Und deshalb springt Schröder zurück in die frühern 1920er und erzählt parallel die Geschichte von Hannahs Urgroßmutter. Das lohnt sich, denn diese Senta hatte ein spannendes, höchst ungewöhnliches Leben… Großartige Geschichte, toll gelesen von Julia Nachtmann.

Januar →

Musik

Alles wird gut

Michael Stipe war und ist ein musikalisches Genie, auch und vor allem als Kopf und Stimme von R.E.M., für nicht wenige eine der besten und wichtigsten Bands, die jemals ein Studio betreten haben. Stipe war und ist aber auch ein komplizierter Mensch, kontrovers, engagiert, tiefgründig, schwierig. Deshalb hat sich die Popwelt verwirrt kollektiv die Köpfe gekratzt, als vor ziemlich genau 30 Jahren „Shiny Happy People“ erschien, eine Hymne, die vor Lebensfreude und guter Laune nur so krachte. Was will der Mann uns damit sagen?, fragten sich Fans und Kritiker und suchten nach Message und Subtext. Die Wahrheit ist: gibt es gar nicht. „Ich habe auch eine nette und lustige Seite, die wollte nur niemand sehen“, sagt Stipe, und weil er eben mal Bock auf eine launige Schingelschangel-Nummer hatte, wurde das Ding 1991 zum Hit und später zum Evergreen. Was dem Mann dann auch wieder nicht recht war – Stipe sagt, er hätte sich „richtig geärgert über den Erfolg“ es Stücks. Bizarr, soll uns aber nicht stören – Stipe und seine Jungs geben den Ton vor auf unserer ersten Playlist des Jahres. „Alles wird gut“ heißt sie, und wir wollen nichts als Spaß, Freude und und Optimismus damit in die Welt tragen. Dabei helfen uns Bosse, Weezer, Vampire Weekend – ja, und nicht einmal Bob Marley war sich posthum zu schade, um zur Stimmungsaufhellung beizutragen. In diesem Sinne: Stir it up!

Podcasts

*Geschichten aus der Geschichte

Treffen sich zwei Männer und reden… Machen wir uns nichts vor: Das ist die Basis von in etwa zwei Dritteln aller Podcasts weltweit. Das ist nicht originell und nicht immer gut. Aber manchmal auch richtig super. Zum Beispiel bei Richard Hemmer und Daniel Messner – zwei Historiker, die seit bummelig fünf Jahren sehr detailverliebt über oft wenig bekannte Ereignisse der Weltgeschichte reden. Das Besondere dabei: Der eine weiß zum Beginn einer Folge nicht, welche Geschichte ihm der andere auftischt, das heißt, er hört mit der selben unbeleckten Neugier zu wie man selbst. Das macht richtig Spaß, und hinterher weiß man ziemlich genau, warum mieser Wein zu einem Aufruhr in Oxford geführt hat, wie ein Hochstapler 1925 versuchte, den Eiffelturm zu verkaufen und wie eine Frau Korea zu Macht und Wohlstand verhalf – vor 1400 Jahren. Nichts ist so spannend und erstaunlich wie das echte Leben.

Hörbücher

*„Just Like You“ von Nick Hornby

London, 2016, die Debatte vor dem Brexit-Referendum brodelt, und im Norden der Stadt geht Lucy Fleisch kaufen. Hinter dem Tresen wird sie von Joseph bedient, der sich als Teilzeiterzieher entpuppt und als As an der Playstation, und genau deshalb engagiert Lucy ihn als Babysitter für ihre beiden Fifa-süchtigen Jungs. Sie ist 42, Lehrerin und geschieden, beste weiße Mittelschicht, Joseph ist 20 Jahre jünger und schwarz, und ja: Aus beiden wird irgendwie ein Paar. Wie das funktioniert und manchmal auch nicht, wie man als liberaler Mensch den Brexit verstehen kann und wie man Vorurteile mit einem Schulterzucken lässig entwertet – als das beschreibt der großartige Nick Hornby komplett unaufgeregt in seinem neuesten Buch, richtig gut vorgelesen von Britta Steffenhagen.

Dezember →

Musik

*Mehr Lametta, Leute!

Ach, Weihnachten, Fest der Liebe, des Gänsebratens, der alten, viel zu oft gehörten Weihnachtslieder… Denn mal ehrlich: Kann irgendwer da draußen noch „Jingle Bells“, „Santa Clause is Coming to Town“, „Rockin’ Around The Christmas Tree“ oder, schluck, „Santa Baby“ ertragen? Eben. Das ging übrigens auch Jamie Cullum so. Der mag Weihnachten und diesen ganzen Bigband-Swing-Sound dazu, aber von den ollen Kamellen hatte der Engländer die Nase voll – und da beschloss das kleine Jazz-Genie, Zitat, „dass ich einfach ein paar neue Klassiker schreibe. “Gesagt, getan, es gibt jetzt ein ganzes Album mit diesen Neo x-mas classics. Und einen Song davon in unserer Lametta-Playlist: In „So Many Santas“ erzählt Cullum, wie ein Junge durch die weihnachtliche Stadt läuft und allmählich misstrauisch wird, was die nackte Existenz des Weihnachtsmanns angeht – wo doch an jeder Ecke einer steht… Sehr hübsch, das, genau wie die – manchmal mehr so im weiteren Sinn – Weihnachtslieder von Coldplay, Slade, den Pogues, Stevie Wonder sowie unser liebstes deutsches Weihnachtslied (findet Ihr ganz am Ende). Ach ja: Taylor Swift liefert vorausschauend schon mal ein Stück für den Neujahrstag. Guten Rutsch!

Podcasts

*Kein Mucks!

Nicht mal die Älteren unter uns werden sich erinnern, aber es gab eine Zeit in diesem Land, in der Radiosender – allesamt natürlich in staatlicher Hand – sehr viel Geld und Liebe und Professionalität investiert haben, um die Hörer draußen an den Empfangsgeräten bestens zu unterhalten. Auch und gerade mit Krimihörspielen. Hunderte davon, bestens produziertes Ohrspannungstheater, rottete in den Archiven von Radio Bremen vor sich hin – bis Bastian Pastewka diesen Schatz hob und ihn dem vergessen entriss. Jetzt stellt er wöchentlich bei „Kein Mucks!“ je ein Hörspiel aus den 50ern, 60ern oder 70ern vor und spielt es dann auch. Aktuell zum Beispiel eine Folge aus „Dickie Dick Dickens“, eine Serie, die 1960 in Norddeutschland die Straßen leerfegte. Noch mal: wegen eines Radiohörspiels. Das waren noch Zeiten.

Hörbücher

*„Olympia“ von Volker Kutscher

Ist Gereon Rath eigentlich inzwischen der berühmteste fiktive Polizist Deutschlands? Die Bücher von Volker Kutscher haben den Ermittler der Berliner Mordkommission der frühen 1930er ja schon in diese Richtung geschubst, aber mit der formidablen Fernserie „Babylon Berlin“, die auf Kutschers Büchern basiert, ist Rath zu einem echten Star geworden. Und dem folgt man gern auch ins Jahr 1936, als in Berlin die Olympischen Spiele anstehen. Gereons ehemaliger Pflegesohn Fritz, mittlerweile sehr eifrig in der Hitler-Jugend engagiert, arbeitet als Helfer im Olympischen Dorf. Und muss mit ansehen, wie ein amerikanischer Schwimm-Funktionär im Restaurant dort zusammenbricht und stirbt. Ein Herzinfarkt? Mitnichten: Die Obduktion verrät, dass der Mann vergiftet wurde. Das allerdings passt nicht in die Heile-Welt-Show, als die die Nazis die Spiele inszenieren wollen. Also schicken sie Gereon ins Dorf, um dort sehr dezent zu ermitteln… Und das ist nicht nur spannend – Kutschers historische Bezüge zu realen Figuren der Zeitgeschichte machen echt Spaß.

November →

Musik

*Laut gegen dunkel

Na, ganz ehrlich: Hat der November bei Euch auch einen so furchtbar schlechten Ruf? Irgendwie zu nass, zu klamm, zu kalt, noch viel zu viel Winter übrig, und dann dieser lange Marsch in die Dunkelheit… Ja, klar, kann man betrauern. Oder aber man umarmt diesen völlig verkannten Monat, mit den ersten Lebkuchenherzen des Jahres und dicken Socken auf der Fensterbank, vor der schon nachmittags um fünf die lange Nacht ihre ersten Geheimnisse verhüllt. Und hey: Bietet der Stille des Monats mit Krach auf Euren Ohren die Stirn! Gut anhören muss er sich natürlich, und genau dafür sorgen auf unserer November-Playlist solche Granaten wie Lizzo, The Ceasars und The Jam, mit Unterstützung von Fettes Brot, Clueso und der Crucchi Gang. Wie? Kennt Ihr nicht? Macht nix, ist ja auch noch ein origineller Insider – da singen lauter deutsche Indie-Künstler ihre Songs auf Italienisch. Hier zum Beispiel Thees Uhlmann, aus dessen „Mädchen von Kasse 2“ mal eben „La ragazza della cassa no 2“ wird. Sehr lustig, sehr charmant.

Podcasts

*Betreutes Fühlen

Atze Schröders Karriere basiert jetzt nicht gerade auf, sagen wir mal: Tiefgang und psychologischem Feingefühl. Aber wenn man dem Mann den richtigen Gesprächspartner an die Seite gibt, dann kann er in erstaunliche menschliche Tiefen abtauchen. Dieser Gesprächspartner ist Dr. Leon Windscheid, der nicht nur 2015 eine Million Euro bei „Wer Wird Millionär?“ gewonnen hat, sondern danach auch ein Buch darüber geschrieben hat, wie man in wichtigen Situationen seine Sinne beisammen hält. Und so plaudern die beiden Alltagsphilosophen über Stress und Angst und Selbstliebe und so weiter, und am Ende denkt man nicht selten: Huch. Das war ja gar nicht nur lustig, das tat jetzt richtig gut.

Hörbücher

*„Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht“ von Andrea Petkovic

Eigentlich sollte 2020 das letzte Jahr in der Tenniskarriere der Andrea Petkovic sein. 33 ist sie inzwischen, das Knie macht nicht mehr mit, und ihre größten Erfolge – Platz neun in der Weltrangliste, sechs Turniersiege – liegen auch schon acht bis neun Jahre zurück. Aber Corona hat den Rücktritt verhindert, deshalb wird sie im kommenden Jahr noch einmal auf Tour gehen. Und danach? Empfehlen wir eine Karriere als Literatin. Früher hat sie schon für die F.A.Z. öffentlich Tagebuch geführt während der Turniere, ihre Blogs waren mindestens so Weltklasse wie ihre Vorhand. Wer dafür noch einen Beweis braucht: „Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht“ heißt ihr erstes Buch, es ist, sagt sie, eine „biografische Fiktion“ – sie reichert Ereignisse aus ihrem Leben mit Erfundenem an, und das macht sie fantastisch. Petkovic ist nicht nur eine der schlauesten, lustigsten und sympathischsten Sportlerinnen der Nation, sie ist auch ein echtes Erzähltalent, das bei allem die zweite Ebene findet. Kann man nicht von arg vielen Schriftstellern behaupten. Das Hörbuch spricht Andrea Petkovic gemeinsam mit Nina Kunzendorf. Auch das: erstaunlich gut.

Oktober →

Musik

*Endlich Oktober!

Endlich Oktober, unser Ernst? Absolut: Endlich kein allzu gutes Sommerwetter mehr, das uns nach draußen zwingt. Die Bikinifigur kann für ein paar Monate einpacken, und hey: kühle Luft auf den Wangen und Hände in den Manteltaschen, wir cool ist das denn? Wie der Vicoach-Soundtrack des Monats dazu, der ziemlich gechillt ist, sich eher im Indie-Bereich tummelt und garantiert ein paar Perlen enthält, die Ihr noch nicht kennt. „Color Decay“ vom Isländer Június Meyvant zum Beispiel oder „We Fell In Love In October“ von girl in red. Auch der „October Song“ von Amy Winehouse ist eines der weniger bekannten der Retro Soul-Ikone. Ihn ihm hat sie den Verlust von Ava Gardner betrauert. Nicht die Schauspielerin – sie hat ihren Kananierenvogel so genannt, der sie morgens mit schönstem Gesang geweckt hat und an einem Oktobertag durchs offene Fenster verschwunden ist. Amy war ziemlich niedergeschlagen danach. „Aber wenigstens“, hat sie einmal gesagt, „ist aus diesem Verlust ein ziemlich guter Song geworden.“ Stimmt.

Podcasts

*Baywatch Berlin

Klaas Heufer-Umlauf ist irgendwie eine der lässigsten deutschen Fernsehnasen, und weil man ihn nicht nur gern sieht, sondern ihm auch gern zuhört, gibt es ihn nicht nur von Zeit zu Zeit als Sänger der fabelhaften Zwei-Mann-Band Gloria, sondern auch im Podcast „Baywatch Berlin“, in dem er wöchentlich mit seinen Freunden Jakob Lundt und Thomas Schmitt zwischen philosophisch, abseitig und komplett sinnentleert über Gott, Welt und Leben sinniert. Nicht immer schlau. Aber immer lustig.

Hörbücher

*Hope Street von Campino

Ungefähr zu der Zeit, als Andreas Frege in Düsseldorf den Punk in sein Leben ließ, wirbelte im fernen Liverpool Kevin Keegan über den Rasen an der Anfield Road. Ein paar Jahre später wurde Frege a) der Sänger der Toten Hosen und b) zu Campino, aber er blieb ein Fußballnerd – und ein lebenslanger Fan der „Mighty Mouse“ und des Liverpool FC. Und ist als guter Kumpel von Jürgen Klopp ziemlich nah dran am Geschehen im zur Zeit besten Club der Welt. Davon erzählt Campino, durch seine englische Mutter Halb-Brite, in seinem Buch. Und damit sich das Hörbuch extra lohnt, singt er auch ein sechs Songs, die mit Liverpool und dem LFC zu tun haben. Toll.

September →

 

Musik

Heartbeats per Minute

heißt unsere erste Playlist – und die ist so bunt wie ein Laubwald im Herbst: Ihr hört Superstars wie Bruno Mars und Alicia Keys, Kultmusiker wie Michael Kiwanuka und Wir Sind Helden, aber auch eine türkische Ode an das Leben – und, jawohl: ABBA. Und was „Dancing Queen“ mit der Königin von England zu tun hat, erfahrt Ihr hier auch gleich noch.

Läuft doch!

Axel Bosse ist einer von den Guten, einer, der Anteil nimmt. Auch an Dingen, die in seiner Familie passieren. Zum Beispiel, als seine Nichte zum ersten Mal verliebt war – und ihr Vollidiot von Freund Schluss gemacht hat. Per SMS! Statt Händchenzuhalten hat Onkel Aki sich hingesetzt und einen Song für das Mädchen geschrieben, so von wegen: Ey, hör auf zu heulen, der Typ ist keine Träne wert, und überhaupt: „Jede Liebe wird irgendwann ans Licht kommen“. So geht das in „So oder so“, und mit diesem Stück beginnt unsere neue Playlist. Auch mit dabei: Was Neues von Asaf Avidan, Joy Denalane und Alanis Morisette, was Altes von den Lemonheads und Travis und viel anderes tolles Zeugs. Das hält Euch auf Trab, versprochen!

Mit Seele

Herzlichen Glückwunsch: Der Soul-Klassiker „Signed Sealed Delivered“ von Stevie Wonder ist in diesem Jahr 50 geworden, es ist eines der meistgespielten Stücke des Genres. Und einer der Lieblingssongs von Barack Obama – er ließ das Ding immer nach Wahlkampfauftritten spielen und war sein persönlicher Klingelton auf dem Handy seines Topberaters im Weißen Haus. In dieser Soul-Playlist sind auch noch ein paar andere Highlights aus der großen Motown-Zeit, von Martha Reeves etwa oder Al Green oder das fantastische „Ain’t No Mountain High Enough“ (was natürlich Eure Tageslosung ist, Leute!) von Marvin Gaye und Tammi Terrell. Aber auch Seelen-Musik aus unseren Tagen. Checkt es aus!

Auszeit

So, Leute, Genug gehasselt für den Moment, jetzt legt Ihr Euch mal schön auf den Rücken, guckt die Zimmerdecke oder den blauen Frühherbsthimmel an und entspannt. Wir liefern hier den Soundtrack dazu – ruhige Musik von Legenden wie Adele, Paul Weller oder Donovan. Von Indie-Helden, ganz vorn Bombay Bicycle Club und London Grammar. Und dann wäre da noch Gudrun Mittermeier. Die ist einerseits die Frau des Comedian Micheal M., andererseits aber auch eine fantastische Musikerin. Jahrelang hat sie als Somersault schönen Pop mit englischen Texten gemacht. Vor ein paar Jahren war sie wieder im Studio und hatte gerade die Aufnahmen zu einem neuen Album beendet, lief alles super, und es war noch Zeit. Und weil alles so schön war und Gudrun in aufgeräumter Stimmung, stellte sie sich ans Mikro und sang eines der Stücke von eben noch mal in freier bayerischer Stehgreifübersetzung  nach. Sollte Quatsch sein, aber die Leute im Studio schwiegen ergriffen danach. Einer sagte: Das ist ja viel besser so. Das bist viel mehr du. Also übersetzte sie flugs alle Songs ins Idiom ihrer bajuwarischen Heimat und nahm das ganze Zeug noch mal neu auf. Somersault war fortan Geschichte, und Gundrun singt seither nur noch in der Sprache, mit der sie aufgewachsen ist. Warum? Bedarf keiner weiteren Erklärung, wenn man „Hoam“ einmal gehört hat.

 

Podcasts

Lage der Nation

Die Zeiten sind unübersichtlich, die Welt nicht so leicht zu verstehen. Gut, wenn man zwei Typen hat, die in einem wöchentlichen Podcast ziemlich gut, unterhaltsam und meinungsstark erklären können, was eigentlich gerade in Politik und Gesellschaft Phase. Genau das machen der Journalist Philip Banse und der Jurist Ulf Buermeyer seit ein paar Jahren. Die beiden sind so ziemlich das Beste, was der Lage der Nation passieren konnte.

Fussball MML

Zugegeben: Das hier ist alles andere als ein Geheimtipp. Aber wer die wöchentliche Nachbetrachtung zur Lage der Fussballnation noch nicht kennt, sollte das schleunigst ändern. Der Autor Lucas Vogelsang, der Radiomann Maik Nöcker und Multijobber Micky Beisenherz erörtern auf höchst amüsante Art, warum Lucien Farvre nutzlos, der HSV hoffnungslos und Bayer Leverkusen die eigentliche Nummer 1 in Deutschland ist. Highlights sind dabei die Promiparodien des notorisch schlecht vorbereiteten Micky, von Hoeness über Basler bis Callmund. Ach ja, und die drei treffen verlässliche Vorhersagen: Was immer sie über ein Spiel oder einen Saisonverlauf weissagen – das Gegenteil wird passieren. Ein Must Hear.

 

Hörbücher

Dicke Freunde von Stephan Bartels

Diesen Geburtstag dürfte Simon Havlicek nicht so schnell vergessen. Nicht bloß, weil es sein 30. ist, sondern auch, weil er seine Freundin inflagranti mit einem Fahrradkurier auf dem Klo ihrer Firma erwischt. Doch sie schiebt die Schuld auf ihn selbst: Er hätte so irre zugenommen und sie damit eigentlich zuerst betrogen. Umständehalber kriecht Simon bei Hotte unter, einem ihm eigentlich unbekannten Kollegen aus der IT, der noch viel dicker ist als er selbst. Gemeinsam begeben sich die beiden in die wundersame Welt der Gewichtsreduktion. Das hat viel Potential für Slapstick und Dramödie, und das schöpft der Autor Stephan Bartels in seinem Debütroman voll aus. Kongenial gelesen wird das Hörbuch von „Dicke Freunde“ von Christian Ulmen. Viel Spaß!

Laufen von Isabel Bogdan

Okay, das hier ist nicht lustig. Es passiert auch nicht viel. Es geht um Tod und Trauer und Wiederaufstehen. Und um eine besondere Art von Mut. Isabel Bogdan hat nicht selbst erlebt, was ihrer namenlosen Protagonistin widerfahren ist – ihr Lebensgefährte stirbt plötzlich und lässt sie mit ihrem Schmerz allein zurück –, aber wie sie deren Entwicklung beschreibt, ist atemberaubend nah und intensiv. Denn diese Frau entdeckt nach einem Jahr der Agonie das Laufen für sich und dessen therapeutische Wirkung für Körper und Seele, und wir lernen: Durch Laufen wird nicht wieder alles gut. Aber alles besser. Tolles (Hör-)Buch.